Archipelago Cinema in Thailand

Project Description

BUILD
Archipelago Cinema in Thailand

by Olaf Winker, Jun, 2012[View PDF]

Manche kleinen, temporären Projekte faszinieren im komplexen urbanen Umfeld, andere wecken Sehnsüchte gerade durch dessen Abwesenheit. Letzteres gilt fraglos für das Archipelago Cinema, umso mehr als es für einen Besuch, vorerst zumindest, schon wieder zu spät ist: Vom 9. bis 12. März fand in Thailand auf Yao Noi Island und den Nachbarinseln erstmals das „Film on the Rocks Yao Noi Festival“ statt. Im Zentrum der von Schauspielerin Tilda Swinton und Regisseur Apichatpong Weerasethakul kuratierten Veranstaltung stand nicht nur die Auseinandersetzung mit Film, sondern der Dialog über und zwischen Kunst, Natur, fremder und lokaler Kultur. Mit dem Archipelago Cinema entwickelte Ole Scheeren dafür einen temporären Spielort, dem kaum ein anderes Festival Vergleichbares entgegensetzen kann: eine schwimmende Plattform mitten auf der Lagune von Kudu Island, zu der die Zuschauer mit Booten übersetzten. Selbstverständlich profitiert das kleine Bauwerk dabei mehr als alles andere von der natürlichen Kulisse; seinen Charme gewinnt es aber auch daraus, dass es mit ihr nicht konkurriert, sondern sich in sie im mehrfachen Sinne einfügt. So entwarf Scheeren eine einfache Floßlandschaft aus quadratischen Modulen, die durch eine Projektionskammer dahinter und die aus der See ragende Leinwand davor ihre Ausrichtung erhielt. Für die Konstruktion aus Recyclingmaterialien griff der vormalige OMAPartner, der seit zwei Jahren in Beijing und Hongkong zusammen mit Eric Chang unter der Firmierung Buro Ole Scheeren arbeitet, auf Techniken lokaler Fischer zurück, die auf ähnliche Weise schwimmende Hummerfarmen bauen. Durch die zurückhaltende Bauweise tritt weniger das Architektonische als das szenisch Orientierte des Projektes in den Vordergrund. Entsprechend zeichnet für Archipelago Cinema genaugenommen nicht das Buro Ole Scheeren, sondern das Studio Ole Scheeren verantwortlich. Mit jenem Studio widmet sich Scheeren nicht-architektonischen Projekten, darunter etwa ein Drive- In-Kino in der texanischen Wüste oder die Ausstellung „Cities on the Move“, die er 1999 in Bangkok ko-kuratierte. So liegt ein weiterer Fokus auf dem künftigen Potential der Plattform: Das Modulprinzip mit seiner Wandelbarkeit und Mobilität soll auch Nutzungen durch die lokale Bevölkerung, die an der Erstellung beteiligt war, ermöglichen. Zudem soll die Plattform für künftige Auflagen des Festivals reaktiviert werden können: vielleicht also doch noch Gelegenheit, das kleine Projekt aufzusuchen. ow